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TRIZ und ASIT®-Methode im Vergleich

Zwei bewährte Methoden des erfinderischen Denkens

Triviale Kreativitätstechniken wie Brainstorming oder die Walt-Disney-Methode sind weit verbreitet. Anwender hoffen, mit ihrer Hilfe eingefahrene Denkschienen zu verlassen und neue Ideen zu finden. Typische Anleitungen sind: „Denken Sie wild!“, „Denken Sie Out-of-the-Box!“ oder „Vergessen Sie alle Einschränkungen!“.

Kognitionspsychologen zeigen jedoch, dass das Gegenteil richtig ist. Nicht Hemmungslosigkeit, sondern Restriktionen führen zuverlässig zu eleganten Ideen. Die Entwickler der Innovations- und Problemlösungsmethoden TRIZ und ASIT haben die Frage beantwortet, welche Restriktionen zu den besten Ideen und Lösungen führen. Dazu untersuchten beide tausende von erfolgreichen Innovationen auf die gemeinsamen Muster erfolgreicher Innovationen. Organisationen weltweit nutzen heute mit TRIZ oder ASIT diese Muster als Denkwerkzeuge fürs systematische Innovieren.

Anfänge und Evolution von TRIZ 

TRIZ ist das russische Akronym für „Theorie des erfinderischen Problemlösens“. Die praktische Anwendung der Theorie ermöglicht, technische Probleme einzuordnen und systematisch zu lösen.

In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte Genrich Saulowitsch Altschuller die heute weltweit verbreitete Methode. Sein Ziel: Probleme mit Hilfe von Mustern oder Regeln zu lösen, statt auf Eingebungen zu hoffen. Als Patentoffizier der russischen Marine untersuchte er zigtausende von Erfindungen nach Regeln, die den Übergang vom Problem zur Lösung beschreiben.

Die vierzig wichtigsten und ihre Anwendung sind der Kern seiner TRIZ-Methode. Altschuller lebte in der Stalin-Ära viele Jahre unter schwierigen Umständen. Ein offener Brief an Stalin, in dem er wirtschaftliche Missstände ansprach, führte zu sechs Jahren Zwangsarbeit. Erst nach Stalins Tod durfte er - zeitweise – Artikel zur TRIZ-Methode veröffentlichen.

Immer wieder aber konnte er sein Wissen nur im Geheimen verbreiten. Dazu schrieb er Science Fiction Literatur. In seinen Büchern nutzen die Helden die TRIZ-Regeln, um ihre Abenteuer zu bestehen.

Nach dem Fall der Sowjetunion wanderten namhafte TRIZ-Experten in die USA und andere Länder aus. Besonders große Technologieunternehmen erkannten das Potenzial dieses „Erfahrungs- und Wissenkonzentrats“ von tausenden erfolgreicher Innovationen. Statt das Rad mit jedem Problem neu zu erfinden setzen sie heute auf TRIZ-Spezialisten zur Lösung ihrer Probleme.

Die ASIT-Methode nach Dr. Horowitz

Wie jede Methode muss sich auch TRIZ dem Wandel stellen. Einige Entwicklungen betreffen den Umgang mit erfinderischen Aufgaben, die bei der Entstehung der Methode nicht existierten. Bei anderen ging es darum, Aufwand und Komplexität zu verringern, um sie mehr Menschen und Organisationen zugänglich zu machen.

Von allen Projekten, TRIZ anwenderfreundlicher zu machen, war die Arbeit des israelischen Luft- und Raumfahrtingenieurs und TRIZ-Lehrers Dr. Roni Horowitz das erfolgreichste.

In seiner Veröffentlichung „In vier Schritten von TRIZ zu ASIT“ erläutert Horowitz die vier Schritte, in denen er den TRIZ-Ansatz in die ASIT-Methode überführte. Dabei wurde Altschullers abstraktes Prinzip der Idealität zur konkreten Bedingung der „Geschlossenen Welt“. Die Auflösung eines Widerspruchs bei TRIZ wurde zur Bedingung der „Qualitativen Veränderung“. Dadurch entfiel das Übersetzen des zu lösenden Problems in eine Schnittzelle der Widerspruchstabelle - für viele Anwender eine große Hürde und Fehlerquelle.

Aus Altschullers 40 Lösungsprinzipien wurden, durch Weglassen sehr spezifischer oder nur selten nützlicher - und durch Zusammenfassung von ähnlichen Prinzipien - anwenderfreundliche fünf (Problemlösung), bzw. sechs (offenes Innovieren).

Dies sind die fünf ASIT-Denkwerkzeuge zur Problemlösung:

  • Unifikation - Lösen des Problems durch kreative Nutzung einer im Umfeld vorhandenen Ressource.
  • Multiplikation - Lösen des Problems durch Zufügen von - eventuell modifizierten - Kopien bereits vorhandener Elemente.
  • Division - Lösen des Problems durch Segmentierung eines Elements oder durch sein Abtrennen gefolgt von räumlicher oder zeitlicher Neuanordnung.
  • Symmetrie brechen - Lösen des Problems, indem eine Eigenschaft eines Elements eine neue Abhängigkeit bekommt - und somit zu einer orts- oder zeitabhängigen Variablen wird.
  • Subtraktion - Lösen des Problems durch (vollständiges/zeitweises/teilweises) Elimineren eines Elements des Systems.

Einige Elemente der TRIZ-Methode, die für bestimmte Aufgabenstellungen zwar nützlich sein können, aber für eine kompakte „Breitbandmethode“ eher Ballast sind, wurden weggelassen.

Horowitz fasst seinen Aufsatz wie folgt zusammen: 

„Ich habe versucht, in diesem Artikel die wichtigsten Schritte zu zeigen, die TRIZ in ASIT überführt haben. Meine Motivation war, eine Methode zu entwickeln, die leichter zu erlernen und zu behalten ist (erreicht durch eine kleinere Anzahl von Regeln und Werkzeugen), universeller einsetzbar ist (erreicht durch das Weglassen von technologie-spezifischen Werkzeugen) und den Problemlöser in ein wirklich erfinderisches Gerüst einzubinden (was durch das Geschlossene-Welt-Prinzip erreicht wird).

ASIT sollte eher als Ergänzung zu TRIZ, statt als Ersatz betrachtet werden. Manche Leute finden es einfacher, bei ihrer Problemlösungserfahrung mit ASIT zu beginnen und dann mit TRIZ fortzufahren, besonders wenn sie eher mechanische Problemarten behandeln. Andere Menschen beginnen mit TRIZ und stellen dann fest, dass ASIT sich besser für sie eignet.“

Anwendungsbeispiel TRIZ vs. ASIT

TRIZ und ASIT sind Methoden, mit denen sich technische und andere Probleme erfinderisch lösen lassen. Die ältere und komplexere TRIZ-Methode versteht ein Problem als einen Widerspruch, ein Dilemma, einen Zielkonflikt. 

Ein Beispiel dafür: Grillen Sie gerne? Als passionierter Grillmeister wissen Sie sicherlich, dass das rohe Fleisch erst kurz vorm Grillen gesalzen werden sollte. Warum das so wichtig ist? Salz entzieht dem Fleisch mit der Zeit immer mehr Fleischsaft. Ohne diese Flüssigkeit wird das gegrillte Steak aber zäh und trocken. 

Wie steht es nun mit „grillfertigem“ Fleisch vom Fleischer oder aus dem Supermarkt? Ein Ziel des Anbieters ist, das Fleisch grillfertig vorgewürzt anzubieten.

Ein weiteres Ziel ist, das der Kunde ein erstklassiges Produkt genießen kann. Ein eindeutiger Widerspruch! Was tut der Fleischer? Sucht er den Kompromiss? Er könnte dem Fleisch nur die Hälfte an Salz zugeben. So schmeckt es zwar etwas fade – aber es wird zumindest nicht ganz so trocken.

Wären Sie als Kunde mit dieser Lösung einverstanden? Wir können TRIZ einsetzen, um eine bessere Lösung zu entwickeln. Eine, die beide Anforderungen (Convenience und Qualität) erfüllt und keinen Kompromiss darstellt.

Dazu überführen wir zuerst beide Anforderungen in Parameter der TRIZ-Widerspruchstabelle. Es bieten sich für den Parameter „Salzzugabe“ der TRIZ-Parameter 26 „Materialmenge“ und für den Parameter „Saftgehalt“ der TRIZ-Parameter 23 „Materialverlust“ an. Die TRIZ-Tabelle empfiehlt dann den Einsatz der Prinzipien 3 (Örtliche Qualität), 6 (Universalität), 10 (Vorgezogene Aktion) und 24 (Mediator). 
Wenn Sie den Prozess selbst nachvollziehen möchten, können Sie dazu die interaktive TRIZ-Matrix unter www.triz40.com verwenden. Unter den vorgeschlagenen Lösungsprinzipien lässt sich die Lösung am ehesten mit Prinzip 24 „Mediator“ und der Instruktion „Verbinde das System zeitweise mit einem leicht zu entfernenden Objekt“ erzielen. 

Wie hat die Fleischwirtschaft das Problem gelöst? Die etablierte Lösung des Problems besteht darin, die in der Marinade enthaltenen Salzkörner mit einem Fettmantel zu umhüllen. Dieser schmilzt bei einer Temperatur von 55°C. Dadurch wird erst beim Grillen das Salz frei und kann seine Geschmackswirkung entfalten ohne das Fleisch vorher auszulaugen. 

Was ist anders, wenn wir das Problem mit der ASIT-Methode statt mit TRIZ bearbeiten? Mit ASIT funktioniert es sehr viel einfacher – aber ebenso effektiv. Mit ASIT wird das zu lösende Problem als einfacher Satz formuliert, den wir „Unerwünschter Effekt“ nennen.

Bezogen auf unser Fleischproblem: „Das Salz in der Marinade entzieht dem Grillgut den Fleischsaft.“ Aus dem Problemsatz wird dann direkt die gewünschte Aktion abgeleitet: „Der Fleischsaft bleibt im Grillgut“. Die TRIZ-Notwendigkeit, die beiden Widerspruchsparameter herauszuarbeiten und in das Format der Widerspruchstabelle zu bringen kann damit entfallen. Anschließend werden mit den fünf ASIT-Lösungsprinzipien die „Ideentrigger“ formuliert.

Ein Ideentrigger besteht aus der Kombination eines Objektes, einer Modifikation und der gewünschten Aktion. (Was für ein Satz! Aber er wird gleich an konkreten Beispielen erläutert.) 

Beispielsweise würde die Methode in einem Workshop zum Thema „Grillfleisch“ folgende fünf Ideentrigger vorgeben:

  • Das Element SALZ (oder ein Teil davon) wird abgetrennt und räumlich oder zeitlich neu angeordnet. Dadurch bleibt der Fleischsaft im Grillgut. 
  • Das GRILLEN wird abgetrennt und räumlich oder zeitlich neu angeordnet. Dadurch bleibt der Fleischsaft im Grillgut. 
  • Der SALZGEHALT variiert abhängig von Zeit, Raum oder anderen Parametern. Dadurch bleibt der Fleischsaft im Grillgut.
  • Das Objekt FETT sorgt dafür, dass der Fleischsaft im Grillgut bleibt. 
  • Ein neues Objekt der gleichen Art wie SALZ sorgt dafür, dass der Fleischsaft im Grillgut bleibt. 

Dabei werden die Teilnehmer vor Beginn der Lösungssuche intensiv auf die Lösungsprinzipien „kalibriert“. Der Moderator nutzt dazu reale Beispiele, in denen die Lösungsprinzipien kreativ umgesetzt wurden. 

Im Beispiel lässt sich die etablierte Lösung aus mindestens zwei ASIT-Ideentriggern ohne große Mühe ableiten, nämlich Ideentrigger 1 und 4. Aber auch die Ideentrigger 2, 3 und 5 haben hohes Potenzial für andere, elegante Lösungen des Problems. Wir sehen ebenfalls, dass auch bei der ASIT-Methode sowohl mit dem verschlimmernden Faktor „Salzzugabe“ als auch dem zu verbessernden Faktor „Fleischsaftgehalt im fertigen Grillgut“ gearbeitet wird. 

ASIT setzt allerdings den Fokus viel stärker auf den zu verbessernden Faktor, also das Ziel der Bemühung und weniger seine Ursachen. 

In einem ASIT-Workshop wird im Vergleich zum TRIZ-Workshop erheblich weniger Zeit für die Vorbereitung der Lösungssuche benötigt. Der Moderator stimuliert die Teilnehmer mit inspirierenden Beispielen der Lösungsprinzipien. Für das Lösungsprinzip „Division“, bei einer Aufgabenstellung mit verfahrenstechnisch-chemisch-biologischem Hintergrund, wird er beispielsweise folgende Ansätze mit passenden Beispielen erläutern: 

  • Räumliche Verlagerung oder Trennung 
  • Abtrennung und spätere Wiederzugabe 
  • Wirkungsverzögerung (Retardierung) 
  • Lösliche oder entfernbare Coatings, Hüllen, Behältnisse 
  • Verzögerung einer Reaktion
  • Ablauf in Schritte aufteilen und je Schritt Parameter oder Ressourcen variieren.
  • Aus kontinuierlichen (Material-) Strömen pulsierende machen.
  • System in Teile zerlegen und je Teil Parameter oder Ressourcen variieren.

Er wird die Teilnehmer einladen, die Liste mit Ansätzen und Beispielen aus ihrem eigenen Feld zu ergänzen. So werden die Teilnehmer auf besonders elegante Möglichkeiten des jeweiligen ASIT-Lösungsprinzips eingestimmt. 

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